Zeichen des Erinnerns: memoria x pulvere

Erinnerungsorte Mahnmal

Das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Rankweil

Rankweil zur Zeit des Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus fand auch in Rankweil lange vor dem Anschluss 1938 fruchtbaren Boden und viele Bürgerinnen und Bürger waren vor der Vereinigung mit Deutschland begeisterte Anhänger:innen. 

Rund 80 Jahre nach Kriegsende konnte die Marktgemeinde ihre NS-Vergangenheit umfassend aufarbeiten. Gemeinsam mit dem Historiker Meinrad Pichler wurde das Buch „Rankweil 1938–1945. Eine Gemeinde im Nationalsozialismus“ erarbeitet. Die Publikation zeigt exemplarisch, wie der Nationalsozialismus in einer kleinen Gemeinde funktionierte.

Memoria x pulvere – Erinnerungen aus Staub von Stefan Amann

Am internationalen Holocaust-Gedenktag, dem 27. Jänner 2026, wurde das von Stefan Amann gestaltete Mahnmal eröffnet, das nun allen Opfern der NS-Zeit in Rankweil einen Erinnerungsort bietet.  

Im Frühjahr 2025 wurde die Ausschreibung für ein Mahnmal veröffentlicht. Die Jury, bestehend aus Vertreter:innen der Gemeinde, Kunst- und Kulturexpert:innen sowie Jugendliche der Offenen Jugendarbeit Rankweil sprach sich damals aus 32 Einsendungen einstimmig für das „herausragende“ und „außergewöhnliche“ Projekt des in Bregenz lebenden Gestalters Stefan Amann aus.

Das dezentral konzipierte Mahnmal verteilt sich über fünf Friedhöfe in Rankweil:

Die Opfer des Nationalsozialistischen Regimes wurden lange Zeit verschwiegen und verleugnet, sie wurden aus unserer Gesellschaft gerissen und aus unserer Geschichte entfernt, sie wurden verschleppt, getötet, verbrannt, verscharrt.

Stefan Amann schafft für diese Menschen eine letzte Ruhestätte und bringt sie damit zurück in unsere Gesellschaft. Die Zahl und Identität der Opfer ist nicht restlos geklärt, eine vollständige Opferliste wird es niemals geben. In diesem Kontext schuf Stefan Amann kein singuläres Grabmal, sondern Erinnerungsorte an mehreren Standorten. Dadurch entsteht ein kollektiver Gedenkort, welcher den Opfern der NS-Gewaltherrschaft ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft zurückgibt.

Die Formgebungen orientieren sich an bestehenden Grabstätten und fügen sich bewusst in das gesellschaftliche und räumliche Umfeld ein. Hier gedenken wir den Opfern und geben ihnen in unserer Gemeinschaft eine Ruhestätte.

„Ton ist eines der ältesten Materialien der Menschheit. Er ist formbar, verletzlich und zugleich beständig – eine Metapher für das, woran wir erinnern“, so der Gestalter Stefan Amann. Die Gestaltung der einzelnen Elemente mit gebranntem Ton – einem im Grunde verwundbaren Material, erinnert an die Verletzlichkeit dieser Opfer und gleichzeitig an die zerstörerische Gewalt, die viele Menschen erleiden mussten. 

Exemplarisch verdeutlichen die Erinnerungsorte wie beim Waldfriedhof die schwierige Aufarbeitung der NS-Zeit und das widersprüchliche Erbe der Nachkriegszeit. Das rote Grabmal am Waldfriedhof liegt nahe der Familie Franke – Ernst Franke war überzeugter Nationalsozialist – sowie beim ehemaligen Natalie-Beer-Museum und verweist auf die gesellschaftlichen Spannungen nach 1945 und die rasch einsetzenden Amnestiebemühungen.

Stefan Amann

Stefan Amann, geboren 1971, arbeitet seit 20 Jahre als Gestalter und Berater mit Schwerpunkt auf Kommunikation, Szenografie und Signaletik. Seine Projekte entstehen im Kultur- wie im Unternehmenskontext. Darüber hinaus ist er am „vai Vorarlberger Architektur Institut“ tätig, unterrichtet an der Fachhochschule Vorarlberg und betreibt eine kleine Galerie für zeitgenössische Kunst in Feldkirch. Amann studierte Kommunikationsgestaltung in Vorarlberg und Manchester und war unter anderem in Berlin und Barcelona tätig. Seit 2025 ist er Mitglied der Kunstkommission des Landes Vorarlberg sowie des Innsbrucker Beirats für Erinnerungskultur. Amann war bereits bei vergleichbaren Projekten erfolgreich: So war er Finalist bei der Ausschreibung zum Widerstandsmahnmal in Bregenz und erhielt den ersten Preis für ein Gedenkzeichen für NS-Opfer in Innsbruck. Stefan Amann lebt mit seiner Familie in Bregenz.