Bienen summen emsig von einer Blüte zur nächsten, ein Schmetterling flattert zwischen Halmen und Stängeln umher, und wer einen Moment innehält, hört es auch am Boden geschäftig rascheln. Szenen wie diese lassen sich in Rankweil vom Römergrund bis zum Wildbienen-Bahnhof oder vom Mühlbach bis zum Park bei der Häusle-Villa beobachten. Im Ortsgebiet entstehen seit Jahren auf jedem Fleckchen
Erde und manchmal auch darüber hinaus Lebensräume der schönsten Sorte. Naturnahe Begrünung lautet das Zauberwort, mit dem die Gemeinde die Natur in ihre Mitte einlädt und so für noch mehr Lebensqualität für alle sorgt.
In der Pflege der Grünflächen geht Rankweil seit 2011 den naturnahen Weg – und ist damit weit über die Landesgrenzen hinaus Vorreiter in einer nachhaltigen, klimafitten und umweltfreundlichen Begrünung. Einer der Wegbereiter und federführend in der Umsetzung ist Wilfried Ammann. Der Leiter des Rankler Bauhofs hat sich neben den zahlreichen anderen Aufgaben in den vergangenen 15 Jahren intensiv in Naturgartenbau, der herbizidfreien Pflege von Wegen und Plätzen und vielem mehr weitergebildet. Für Wilfried und sein Team ist keine Fläche zu klein, kein Projekt zu groß und keine Idee zu komplex, um das Beste für Mensch und Natur herauszuholen.
„Wenn überall nur Gras oder Zierpflanzen wachsen, ständig gemäht und womöglich mit Pestiziden behandelt wird, finden Insekten, Vögel und andere Kleintiere im Ort kaum Nahrung und keinen Unterschlupf“, erklärt der Naturgarten-Profi. Und das hat auch Auswirkungen auf uns Menschen. „Wir vergessen manchmal, dass wir alle Teil desselben Ökosystems sind, in dem alles voneinander abhängt. Jeder Mikroorganismus, jede Pflanze und jedes Lebewesen spielt dabei eine wichtige Rolle.“
Wo früher also gestutzte Grünflächen und akkurat bepflanzte Zierbeete das Ortsbild prägten, grünt und blüht es heute in allen Farben und Größen. Gesät und gepflanzt wird möglichst verschiedenes, solange es zum Standort passt und für Insekten, Vögel und andere Kleintiere Nahrung und Unterschlupf bietet. Wiesensalbei, Mohn oder wilder Thymian bilden beispielsweise einen vielfältigen Blütenteppich. Heimische Bäume wie Linden, Weiden oder Ahorn spenden Schatten und sorgen für saubere Luft und ein angenehmes Mikroklima. Dazu bilden Trockensteinmauern, Totholz und hier und da ein scheinbar vergessener Haufen Äste ein Angebot zum Ansiedeln für Insekten, Pilze, Igel, Eidechsen und viele mehr. Auch unter den Wildbienen hat sich das vielfältige Nist- und Nahrungsangebot in Rankweil längst herumgesprochen: Bereits in den ersten Jahren ist die Population deutlich angestiegen.
Der Natur mitten im Ortsgebiet mehr Platz einzuräumen, hat nicht nur für die Tierwelt viele Vorteile. Naturnah begrünte Flächen sind günstiger, weniger pflegeintensiv und kommen besser mit dem wärmeren Klima zurecht. Wo früher in den Sommermonaten regelmäßig getränkt werden musste, ist das heute nur noch bei Jungpflanzen und an besonders heißen Tagen notwendig. Auch gemäht werden muss, gerade am Straßenrand oder auf Verkehrsinseln, weniger oft.
„So haben die Pflanzen die Chance abzublühen und Insekten und Kleintiere können sich zurückziehen“, erklärt Wilfried Ammann. „Das bedeutet aber auch, dass nicht das ganze Jahr über alles aussieht wie aus dem Ei gepellt.“ Während an manchen Standorten die Blüte erst jetzt zu Ende geht, wurde andernorts bereits Mitte Juli gemäht. Hier kommt es im August und im September zu einer Nachblüte. Damit können auch wir Menschen uns noch etwas länger an der bunten Vielfalt und dem regen Treiben der Natur mitten in Rankweil erfreuen.